Was ist Arthrose?

Arthrose ist Knorpelverlust im Gelenk. Dies wird gemeinhin als Verschleiß bezeichnet. Wenn man eine arthrotische Gelenkoberfläche betrachtet, kommt einem auch unmittelbar der Gedanke, daß hier Verschleiß am Werke ist. Verschleiß ist jedoch ein Begriff aus der Technik und heißt Materialverlust durch Abrieb. Im biologischen Gelenk gibt es jedoch keinen Abrieb und außerdem besteht der Knorpel aus lebendigen Zellen, die ohnehin nur eine begrenzte Lebensdauer haben und sich permanent erneuern. Im Körper kann es also keinen Materialverlust durch Abrieb geben. Lebendiges Gewebe und tote Materie werden hier mit ein und demselben Begriff beschrieben, was zu weitreichenden Missverständnissen führt. Mit dem Begriff des Verschleißes in seiner Vorstellung wird ein Mensch, dem gesagt wird, daß er an Hüftarthrose leidet, unmittelbar auf die Idee verfallen, das Hüftgelenk möglichst nicht mehr zu beanspruchen, da er ja dem vermeintlichen Verschleiß des Gelenkes vorbeugen muß. Dies ist dann der endgültige Anfang vom Ende des Gelenkes. Arthrose ist nicht gleich Schmerz. Als richtiger Unfug stellt es sich spätestens dann heraus, wenn nach einem künstlichen Gelenkersatz die gleichen Schmerzen bestehen, wie davor, allerdings ohne, daß das arthrotische Gelenk noch vorhanden wäre. Hier ist inzwischen Metall und Kunststoff eingebaut, was ja wohl schwerlich weh tun kann. Und irgendwann wird der Patient dann vom Orthopäden zum Psychiater gewechselt. Schmerz entsteht durch Bewegung, dies kann gerade bei der Arthrose gut beobachtet werden. Ohne Bewegung kein Schmerz. Deswegen meidet ein arthrosegeplagter Mensch die Bewegung, was die Arthroseentwicklung dann beschleunigt. Er will schließlich keine Schmerzen haben. Er schont sich, wo er kann. Unterstützt wird dieses Verhalten durch die orthopädische Medizin, welche Schmerz mit Krankheit gleichsetzt. Sie orientiert sich in der Therapie am Schmerz, statt an der Funktion. Das einzige, was dem Patienten helfen könnte, die Bewegung, wird dem Patienten verboten, wodurch dieser dann auch auf Dauer Patient bleibt. Doch ist der Schmerz als Leitfaden für den Erfolg einer Therapie der falsche Ratgeber. Wie gerade bei der Arthrose gut zu beobachten, ist es die Bewegung, die schmerzhaft ist, also irgendwie gestört ist. Hört die Bewegung auf, dann hört auch der Schmerz auf. Irgendetwas in der Bewegung ist also nicht in Ordnung, so daß diese weh tut. Wenn es das geschädigte Gelenk wäre, müßte es ja permanent weh tun, denn das Gelenk ändert sich nicht von einer Sekunde auf die andere. Nur weil Bewegungen über Gelenke verlaufen und Gelenke an der Bewegung beteiligt sind, kann jedoch nicht zwingend geschlossen werden, daß die Schmerzen im Gelenk entstehen. Dies wäre zu kurz gegriffen. An der Bewegung sind schließlich noch andere Elemente beteiligt. Auch ein Gelenkknorpel will ernährt werden. Der Knorpel in der Hüfte oder im Knie ist teilweise mehrere Millimeter dick. Er ist von weißer Farbe und nicht an das Blutgefäßsystem angeschlossen. Von der Blutbahn her kann er nicht ernährt werden. Die Nährlösung für den Knorpel ist die Gelenkflüssigkeit, die sog. Gelenkschmiere (Synovia). Sie überspült die Oberfläche des Knorpels. Sie muß jedoch auch irgendwie in die Tiefe geraten, um auch die tiefliegenden Zellen zu ernähren. Damit dies funktioniert, ist der Gelenkknorpel wie ein Schwamm aufgebaut. Wenn er zusammengedrückt wird, kommt die darinliegende Flüssigkeit heraus. Anschließend kann der Knorpel sich wieder vollsaugen. So entsteht ein einfacher Pumpmechanismus, welcher die Ernährungsgrundlage des Knorpels ist. Fehlt diese Pumpe, dann verhungert der Knorpel, er verschwindet, wir haben die Arthrose. Zusammendrücken kann sich der Knorpel nicht von alleine. Er muß von außen gequetscht werden, wie eine Zitrone auch. Zusammengedrückt werden kann ein Gelenk jedoch nicht, wenn es nicht benutzt wird. Erst die Beanspruchung bringt ein Gelenk in Bewegung und setzt den Knorpel unter Druck und sorgt damit für dessen Ernährung. Die wechselseitige Belastung und Entlastung ist die Lebensgrundlage des Gelenkknorpels. Fällt diese aus, dann verhungert der Knorpel, die Arthrose entsteht. Wenn ein Bein 3 Wochen im Gips liegt, dann entsteht eine Arthrose im Kniegelenk. Dies nennt sich Inaktivitätsarthrose. Wird das Bein wieder bewegt, dann verschwindet diese Arthrose wieder von alleine. Dies ist in der Medizin seit Jahrzehnten bekannt. Was für das Gipsbein gilt, gilt auch für den ganzen Körper. Bewegung und Belastung statt Schonung und Ruhigstellung führt zur Heilung der Arthrose. Man muss dafür sorgen, dass die verkürzten Muskelstrukturen gedehnt werden, damit die Gelenke wieder mehr Spielraum haben.